Wirtschaftsspionage
Deutsche Unternehmen fürchten Datendiebstahl
Wirtschaftsspionage und Datendiebstahl werden die Unternehmen in Zukunft vor immer größere Probleme stellen. Davon ist die Mehrheit deutscher Firmen überzeugt. Gleichzeitig fühlt sich der Großteil der Wirtschaft ausreichend gegen solche Angriffe geschützt. Für die Studienverfasser ein Ausdruck mangelnder Sensibilität.
65 Prozent der deutschen Unternehmen gehen davon aus, dass die Bedrohung durch Wirtschaftsspionage und Datendiebstahl in den kommenden Jahren zunehmen wird. Für mehr als ein Drittel von ihnen stehen auch die Weltregionen fest, von denen die Attacken auf die deutsche Wirtschaft ausgehen werden. Angeführt wird das Feld von China, gefolgt vom übrigen Asien, Osteuropa, den USA und Russland. Gleichzeitig fühlt sich die Mehrheit der Betriebe vor Attacken gefeit, nur zehn Prozent berichten von entsprechenden Ereignissen in den vergangenen drei Jahren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die sich auf eine Befragung der Führungskräfte von 400 deutschen Unternehmen stützt.
Manager vertrauen auf betriebseigene Prävention
Konkret schätzen derzeit 38 Prozent die Bedrohung für ihr eigenes Unternehmen als gering ein, 52 Prozent halten sich für „mäßig“ bedroht, und nur jede zehnte Gesellschaft sieht eine starke Gefährdung. Offenbar vertrauen die Manager auf die Wirksamkeit ihrer präventiven Vorkehrungen, die 83 Prozent für ausreichend halten. Andererseits: Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass ihre eigene Bedrohung zukünftig zunehmen wird. Das größte Gefahrenpotenzial lauert allerdings – so die Erfahrung der betroffenen Unternehmen – in der eigenen Belegschaft.
Täter kommen aus der eigenen Belegschaft
Zwei Drittel von ihnen orten Mitarbeiter als Täter. In 44 Prozent der Fälle sind es aktuell beschäftigte, in 22 Prozent ehemalige Mitarbeiter. Hauptmotive der Mitarbeiter-Täter sind die persönliche Bereicherung und Racheabsichten. Auch Wettbewerbsvorteile spielen eine Rolle, zum Beispiel, wenn sich Mitarbeiter mit den Kundendaten oder anderem Know-how ihrer Arbeitgeber als deren Konkurrenten selbstständig machen. Nicht weniger bedenklich: In jedem zehnten Fall spielt Unwissenheit eine maßgebliche Rolle.
Unternehmen unterschätzen Risiken
„Fern der Realität“ ist es, dass sich so viele Firmen gegen unerwünschte Informationsabflüsse ausreichend geschützt fühlen, meint Stefan Heißner. Für ebenso unrealistisch hält es der zuständige Leiter bei Ernst & Young, dass nur acht Prozent der Befragten einräumen, in den vergangenen drei Jahren Ziel von Spionage- oder Datenklau-Angriffen gewesen zu sein. „Wir müssen daraus schließen, dass die Mehrheit der Unternehmen noch gar keine Sensibilität für diese Art von Risiko entwickelt haben“, fürchtet Heißner und betont: „Nach unserer Erfahrung hat jedes Unternehmen mit solchen Problemen zu kämpfen – keineswegs nur Großkonzerne.“ Die Gesellschaft geht davon aus, dass durch Datendiebstahl allein in Deutschland ein jährlicher Schaden von über 20 Milliarden Euro entsteht.
